Ich trete bei der Bundestagswahl 2009 für den Wahlkreis Gotha – Ilm-Kreis als potentieller Direktkandidat FÜR VOLKSENTSCHEIDE an, parteilos.
Links findet man auch mein vorläufiges Wahlprogramm.


01.05.2009, 01:40 - Erlebnisbericht, Wissen
Die Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen e.V., die Grüne Hochschulgruppe Ilmenau und die TU Ilmenau veranstalteten am 29. April im Ernst-Abbe-Zentrum der TU Ilmenau einen Aktionstag "Erneuerbare Energien" im Rahmen der Campustour Wissen Was Wirkt.

Ich war nicht ganz pünktlich und verpasste die Begrüßung von TU-Rektor Peter Scharff und von Astrid Rothe-Beinlich (B90/Grüne), war aber rechtzeitig zum ersten "richtigen" Vortrag da.

Diesen hielt Hans-Josef Fell (MdB, B90/Grüne), rhetorisch bestens, zum Thema "Energiekrise und Ausweg ins Solarzeitalter". Allerdings begann er seine Ausführungen keineswegs mit einer Energiekrise, sondern bei der Finanzkrise. Er erwähnte Klimaschutz als Arbeitsplatzmaßnahme, das Potenzial an neuen Arbeitsplätzen durch Klimaschutz bzw. erneuerbaren Energien sei riesig, wobei ich ihm auch völlig zustimme. Er betonte, dass es ein Vorurteil sei, dass dies letztendlich zu finanziellen Belastungen führe, da es bei den praktisch durchgeführten Maßnahmen immer zu finanziellen Entlastungen kam. Weiterhin lobte er Obama, der erstmals auch das Thema Klimaschutz (trotz der Finanzkrise) auf die Agenden der Weltkonferenzen setzt, kritisierte aber zugleich, dass dies immer isoliert zu den Themen "Finanzkrise" und "Energieversorgung" geschehe.

Interessant war eine Grafik, die den Energieverbrauch der Welt nach Energie-Art unterschieden anzeigte: Öl 34.8 %, Kohle 27.6 %, Gas 22.1%, Biomasse 10.6%, Wasser 2.3% und Nuklearenergie 2.2 %. Weiterhin betonte er, und das wurde auch in späteren Vorträgen bestätigt, dass erneuerbare Energien (Photovoltaik, Solarthermie, Biomasse, Wasserkraft, Windkraft, Erdwärme, Ausnutzung der Gezeiten) "genug da" seien, und vorallem die Solarenergie ein Vielfaches des Weltverbrauchs decken kann, man allerdings noch nicht technisch dazu in der Lage ist. Die Potenziale sind jedenfalls enorm. Von den konventionellen Energien seien hingegen nicht genug da; er verwies dabei auf Öl- und Kohleknappheit, sowie auf abgeholzte Wälder.

Dann kam er zur Politik: Er lobte das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das auf seiner Homepage als "eine der raren Erfolgsgeschichten der rot-grünen Koalition, die über die Parteigrenzen hinweg noch heute breite Zustimmung findet" bezeichnet wird (mit Quellenverweis auf die Financial Times Deutschland vom 11.10.2007). Damals wurde erwartet, dass im Jahr 2010 schon 12.5 % der genutzten Energie regenerative Energien seien. Diese Prognose wurde damals von der CDU als "unrealistisch" bewertet. In der Realität waren es aber im Jahr 2008 bereits 15.1 %. Er betonte, dass die Industrie exponentielle Wachstumsraten auch im Fall der erneuerbaren Energien schaffe, wenn die Märkte es erlauben, und dazu seien eben bestimmte Gesetze notwendig. Ebenso merkte er an, dass trotz der guten Entwicklung Deutschland hinter seinen Möglichkeiten zurückblieb und belegte das mit den Chinesen, die Verbrennungsmotoren an Zweirädern verboten, wodurch sich Elektroräder durchsetzten. Erste Elektroautos aus China würden auch schon exportiert.

Nach seinem Vortrag ein paar Fragen:
Wo treten Widerstände auf? Hier kritisierte er die Kampagnen der Presse und die Macht der Strom- und Mineralölkonzerne.
Globaler Kontext? Es wurde die Internationale Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) gegründet, der gleich 70 Nationen beitraten.
Die Rolle Deutschlands? Deutschland sei lediglich für 4 % der Emissionen verantwortlich, was aber kein Gegenargument zur Umstellung sei: Vorbildwirkung, Exportarbeitsplätze, günstigere Energie.
Erneuerbare Energien im Privatbereich? Laut Fell ist das für Zweidrittel der Deutschen möglich und finanzierbar.
Strompreisprognosen? Enorme Marktdynamik, die Preise werden vorallem im Bereich Photovoltaik sinken. Wenn die Stromkonzerne nicht rechtzeitig umstellen, werden sie die Verlierer sein (bzw. werden sie aufgrund dezentraler Energieerzeugung so oder so sein). Konventionelle Energien sind finanziell nicht kalkulierbar wegen Öl- oder Kohlepreisen, während Windräder kalkulierbare Betriebskosten haben.
Zuletzt noch eine Frage, ob das exponentielle Wachstum der erneuerbaren Energien tatsächlich so erwünscht sei. Hier gab Fell als Beispiel Elektroautos an, die ja zur Zeit auf Lithium-Ionen-Akkus setzen und hier stelle sich die Frage, ob es dafür auch genügend Lithium gebe.

Der zweite Vortrag fiel etwas kürzer aus: Ralf Päsler, Referent für Umwelt, Verkehr und Energie in der Stadtverwaltung Eisenach redete zum Thema "Bausteine für nachhaltigen kommunalen Klimaschutz". In seiner Einführung kam er auch nochmal zum Öl, bzw. zum Peak Oil, dem globalen Ölfördermaximum, das 2010 erreicht sei, so wie zu dem Fakt, dass eine Person im Jahr durchschnittlich 50 000 kWh an Energie benötigt.

Nach dieser Einleitung beschrieb er, dass zuallererst ein Energiebericht geschrieben und veröffentlicht wurde, in dem festgestellt wurde, welche Energieausgaben die Stadt hat. Danach listete er die vier Säulen, auf die Eisenach setzt:
1. runde Tische als kommunale Diskussions- und Informationsplattform
2. kommunales Energiemanagement
3. Ausbau erneuerbarer Energien, Kraft-Wärme-Kopplung
4. Dialog mit der Wirtschaft: Ökoprofit, Umweltmanagement für KMUs

Zum Ausbau erneuerbarer Energien zeigte und erläuterte er viele Beispiele und deren Finanzierung. Ein Beispiel ist der Bürgersolarpark, bei dem sich Bürger am Bau beteiligen konnten und im Gegenzug Erlöse erhielten. Insgesamt kostete dieses Projekt 1.5 Millionen Euro, und, wie Päsler berichtete, war dies eine begehrte Geldanlage. Ein anderes Beispiel ist die AWG-Solarsiedlung, bei der, wenn ich es richtig verstanden habe, die Wohnungsgenossenschaft Dachflächen vermietet hat und die Stadt Solarflächen draufgepflanzt hat, die dann zur Trinkwassererwärmung in den Wohnungen dienten. Ein anderes Projekt ist eine produktneutrale Bürgerberatung im Rathaus, wo es auch eine starke Nachfrage gebe. Erwähnt wurde auch der Effekt regionaler Wirtschaftsförderung, durch jedes Projekt eine Menge Geld beim Handwerk ankommt, wobei kritisiert wurde, dass viele Handwerksbetriebe hier nicht richtig beraten. Hier seien schon Gespräche mit den Handwerkskammern aufgenommen worden um gegebenenfalls Betriebe zu zertifizieren, die in Richtung Klimaschutz beraten. Weiterhin erwähnte Päsler kurz, dass ein Klimabeirat berufen wurde. der seit März seine Arbeit aufgenommen hat. Laut Pressemitteilung ist es der erste seiner Art in Thüringen.

Päsler ging auch auf Probleme ein, wie der Denkmalschutz in der Altstadt bzw. im Villengebiet. Er meinte, dass die Anwohner dort früher oder später wegziehen, weil die Energiekosten dort zu hoch werden würden. Spätestens dann werde man wohl umstellen können. Als Ausblick gab er eine Handwerkerplattform, die Sanierung der Schulen und das eben genannte Villengebiet an.

Die Lehre aus dem Vortrag war, dass das Engagement der Kommunen enorm wichtig ist für die Umsetzung und das Loskommen von den konventionellen Energien (und damit allen Vorteilen, die damit verbunden sind). Hans-Josef Fell fasste nochmal zusammen, dass also jede Kommune sich einen Plan machen sollte, wo Investitionen sinnvoll sind, um dem Ziel näherzukommen, und zwar in den Bereichen: Strom, Wärme, Treibstoff.

Es folgte eine kurze Pause mit Kaffee und Kuchen, worauf eine Diskussionsrunde zum Thema "Wege zu einer energieautarken Stadt Ilmenau" geplant war, aber ich musste dann erst mal gehen. Nach einer Mittagspause fand ein Vortrag zum Thema "Organische Photovoltaik" von Gerhard Gobsch, Professor am Fachgebiet für Experimentalphysik I an der TU Ilmenau, statt, dem ich aber auch nicht beigewohnt habe.

15 Uhr bin ich wieder erschienen. André Thess, Professor am Fachgebiet Thermo- und Magnetofluiddynamik, redete über Solarthermie an der TU Ilmenau. Eine Grafik stellte den Zweck des Energieverbrauchs in der Welt(?) dar: 20% für Elektrizität, 31% für Transport, 49% fürs Heizen bzw. Kühlen. Neben Allgemeinem zur Solarthermie ging es dann vorallem um Wärmespeicher und der grotesken Idee Wärmespeicher als Energiespeicher, also für elektrischen Strom, zu nutzen. Es sei ein Konzept vorhanden, das er als "Ilmenauer Hochtemperaturspeicher" bezeichnete, aber es ist noch nicht hundertprozentig klar, ob das letztendlich auch funktioniert. Es gebe aber Indizien dafür. Wenn es klappt, dann wäre dies ein Konzept für Batterien mit mehr Speicher oder ein billigerer Energiespeicher als Lithium-Ionen-Akkus.

Im Anschluss darauf ein weiterer, sehr nüchtern gehaltener Vortrag zu "Großen Solarwärmeanlagen" von Jürgen Bühl, Mitarbeiter am selben Fachgebiet wie der Vorredner, zugleich beim Bundesforschungsprogramm Solarthermie 2000 / 2000plus. Interessant war in der Einleitung der Fakt, dass der Kühlbedarf im Sommer höher ist als der Heizbedarf im Winter, und dass in beiden Bereichen die Solarthermie Anwendung findet. In seinem Vortrag brachte er hunderte(?) Beispielprojekte mit Fotos und Kosten-/Leistungsangaben. Auch Bühl merkte an, dass der Markt gewachsen ist, aber weit hinter seinen Möglichkeiten geblieben ist, und erwähnte die Wohnungsbaugenossenschaften, die viel stärker umstellen könnten, wodurch letztendlich wieder Einsparungen möglich wären.

Der nächste Vortragende war Michael Wollnik von der ThüSolar GmbH aus Rudolstadt, der eine Menge Fotos zeigte und einige Worte verlor zur technischen und handwerklichen Realisierung von Solarthermie-Projekten, bspw. zur Kollektorfertigung, und vorallem zum Projekt Sportgymnasium Oberhof. Interessant ist hierbei, dass es sich in Oberhof als Schneegebiet trotzdem lohnt auf Solarthermie zu setzen.

Der letzte Beitrag war ein Kurzvortrag zur solarthermischen Großanlage Ilm-Kreis-Kliniken Arnstadt-Ilmenau, Standort Ilmenau, die, wie so oft, zur Trinkwassererwärmung genutzt werden. Jährlich speise diese durchschnittlich 75 000 kWh Energie ein, was einem Warmwasser-Deckungsgrad von 45 % entspricht. Im Anschluss an den Vortrag lud der Vortragende zu einer Exkursion ein, an der ich aber nicht teilnahm.

Den Abschluss des Aktiontages sollte ein nächtliches Konzert von Rainer von Vielen im BI-Club darstellen, das ich allerdings einfach vergessen habe. Ich denke aber mal, dass es trotzdem einige studentische Gäste gab. Bei den Vorträgen am Tage waren leider auch für Ilmenauer Verhältnisse nur sehr wenige Studenten anwesend.

Insgesamt fand ich den Tag jedoch relativ aufschlussreich. Den Vormittag etwas stärker als den Nachmittag. Ich hoffe, dass derartige Veranstaltungen öfter stattfinden, um gerade die heranwachsende Generation etwas mehr für das Thema zu sensibilisieren.


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